Samstag, 5. November 2011

Malihini in Hawaii


Waikiki - Oahu - Hawaii
Noch in San Francisco wollten wir uns eine Unterkunft für die Ankunft in Honolulu buchen, doch leider haben wir das nicht mehr geschafft. Macht nichts wir haben ja noch am Flughafen Zeit. Doch auch das geht schief – die paar Unterkünfte, die wir noch per Mail oder Telefon kontaktieren, haben nichts mehr frei oder sind weit über unserem Preislimit. Lassen wir es wieder mal auf die letzte Sekunde ankommen. Im Flugzeug gibt’s ja meistens Wifi und Laptop haben wir ja dabei. Doch nicht so auf diesem Flug – kein Wifi;-( Und so kommt es dass wir um 21:00 Uhr in Honolulu landen und noch immer nicht wissen wo wir heute schlafen werden. Wie’s den Kindern damit geht? 
Waikiki - Oahu - Hawaii
Die sind ein Wahnsinn, nützen den Flug zum Schlafen und sind dann wieder top da und diskutieren fleißig mit beim Notfallplan. Wir fahren mit dem Bus in Richtung Waikiki – dem touristischen Teil von Honolulu – Endstation unbekannt. Irgendwann schaut es  dann nach vielen Hotels aus und wir springen aus dem Bus. Nach ein bisschen herumsuchen sind wir erfolgreich. Gerade das letzte erschwingliche Apartment können wir für maximal 2 Nächte beziehen.



Kaua´i wir kommen!
Es wird uns schnell klar, dass dieses weltberühmte Waikiki nicht unsere Traumdestination ist. Wir vergleichen es mal mit Caorle oder Jesolo nur mit warmem Wasser, wesentlich teurer und vielleicht ein paar Designerboutiquen mehr. Der Strand, vor einer Reihe mit 30 stöckigen Apartmentkomplexen, ist dicht gedrängt mit UrlauberInnen und im Meer sieht es nicht viel anders aus. Geschätzte 30 – 40 SurferInnen warten bzw. kämpfen auf einem Spot um die Wellen. Auch beim Anblick der abendlichen Straßenszenen wandern unsere Mundwinkel nach oben – hey sind wir in Italien? Alle Stände  scheinen dass selbe zu verkaufen – Hawaii-Hemden, Blumenketten, Badetücher und jede Menge Tschitschitschatschi Made in China.
Surfbunnies
Na gut – morgen fliegen wir weiter auf die Nachbarinsel Kaua´i. Diesmal bestens vorbereitet. Mietauto ist reserviert und sogar eine Option auf eine Unterkunft haben wir. Bei unserem Mietauto erleben wir gleich die erste Überraschung. Wir werden gleich um 3 Klassen upgegradet, da keine kleineren Autos verfügbar sind – Kindersitze bekommen wir auch gratis dazu. Bei unserer Unterkunft finden wir uns mitten in einer Wohngegend wieder. Polly – unsere Vermieterin – ist super freundlich. 
Auch im hauseigenen Gemüsegarten dürfen wir uns bedienen. Laufend werden wir mit Köstlichkeiten versorgt. 

Meeresschildkröte
Ob Sternfruchtmarmelade, Pumpkinpie, frisches Brot oder Cookies – Polly schaut auf uns. Robin (der Hausherr) ist ein begeisterter Freitaucher und freut sich, dass ich ihn bei einem Nachtschnorchelgang begleite – ich mich wahrscheinlich noch viel mehr ;-) 
Doch Robin geht nicht in der Nacht schnorcheln um Fische an zu sehen. Gleich drückt er auch mir einen Speer in die Hand und los geht’s. Im seichten Wasser gehen wir nun auf die Jagd. Ich war eher weniger erfolgreich, aber der heutige Fang landet zur Gänze in unserer Küche;-) Ein Uhu (Papageienfisch) und ein Hummer – ich glaube wir haben noch nie sooo guten Fisch gegessen. Ich freu mich schon auf die nächste Jagd.
kopfloses Halloween?
Doch die nächste Jagd gehört den Kindern. Es ist Halloween und da gibt es jede Menge Süßigkeiten abzukassieren. Diese „kulturelle“ Erfahrung können und wollen wir unseren zwei kleinen „Monstern“ nicht verwehren. Im Supermarkt wird ein großes „Trick or Treat“ veranstaltet und da gibt es jede Menge lustige aber auch gruselige Sachen zu sehen.
Beim Surfen schauts für uns auch eher gruselig aus. Die schönen Wellen brechen alle über einem Riff und das ist uns zu gefährlich. Das einzige „Anfängergebiet“ liegt im Norden der Insel wo es seit einer Woche nur regnet.  Machen wir eben mal einen reinen Badeurlaub. 
Badestrand bei Po´ipu
Wir erkundschaften den Großteil der Strände, die auf der Sonnenseite der Insel (im Süden) liegen und haben da so einen Favoriten in Poipu. Super Schwimmen im seichten (80 cm tiefen) Wasser für die Kinder und Hinter der Barriere ein Schnorchelparadies für die Erwachsenen. Es ist wie schwimmen im Aquarium nur mit Wellen und Strömungen. Fische in allen Größen, Formen und Farben und dann noch die riesigen Meeresschildkröten mit denen wir auch schon schwimmen und tauchen durften. Es entsteht fast ein Konkurrenzkampf, wer die schöneren Erlebnisse im Wasser hat.  Ich muss schon zugeben – jedes Mal wenn ich einen Papageienfisch sehe, denke ich vorrangig ans Essen. Auch wenn er noch so bunt und schön anzusehen ist – auf den Geschmack kommt es an;-)
Kaua´i
Kaua´i - Westküste
Am Anfang waren wir von Hawaii fast ein wenig enttäuscht. Es ist alles extrem amerikanisch, und wir suchen nach dem, wovon alle Leute schwärmen. Es gibt bestimmt auch hier tolle Wanderwege, die meisten davon sind aber nicht für Familien geeignet. Leider sind wir keine fortgeschrittenen Surfer, sonst…ja sonst wäre alles ganz klar. Das ist der Ort wo du hin musst. An jeder Ecke rollen die Wellen an die Küste heran und betteln förmlich darum ein Surfbrett vor sich her zu schieben.  Doch die vielen Riffe, die uns vom surfen abhalten, bieten eben auch super Möglichkeiten zum Schnorcheln. Jetzt heißt es also nicht mehr Kopf hoch sondern runter und eintauchen in die prachtvolle Unterwasserwelt.
Strand bei Po´ipu
Übrigens: Malihini ist das hawaiianische Wort für Tourist. Die Sprache ist total witzig – extrem viele Selbstlaute. Alleine die Ortsnamen sind ein Wahnsinn;-) Tharis und Leela haben auch schon mal zufällig im Park bei einer probenden Hulatanzgruppe mittanzen dürfen und wollen nun im Auto immer Hula Musik hören– es gibt einen eigenen Radiosender wo nur solche Musik gespielt wird. Es ist zwar ein bisschen Anstrengend aber irgendwie auch witzig.
Aloha aus Hanamaulu.

Dienstag, 1. November 2011

San Francisco


San Francisco
Viel zu lange dauert der Tag heute schon. Um 06:00 Uhr war das Taxi zum Flughafen bestellt, und ca. 14 Stunden später sind wir im Landeanflug auf San Francisco. Der Flughafen liegt direkt am Meer, am Rande der Stadt und lässt die Landung zu einem richtig tollen Erlebnis werden. Im Kopf haben wir jetzt nur noch ein luxuriöses Hotelzimmer unweit vom Flughafen, wo wir uns entspannen, eine Kleinigkeit essen und vielleicht in die Badewanne schmeißen wollen. Nur blöd dass wir so eines nicht bestellt haben, sondern nur die Billigvariante davon. Das Zimmer stinkt verraucht, wirkt abgewohnt und naja – wir kamen eben mit einer anderen Erwartungshaltung. Nach einer kurzen “Beschwerde“ bekommen wir aber sofort ein Nichtraucherzimmer.
San Francisco
Nachdem wir uns dann ausgeschlafen haben, schaut die Welt schon wieder ganz anders aus. Das Hotel ist eigentlich ganz in Ordnung, und das viel zu kleine Kammerl, wo sich das Frühstücksbuffet befindet und es vor lauter Menschen fast nur noch Stehplätze gibt, hat auch irgendwie seinen Reitz. Vom Businessmann im Anzug und Laptop bis hin zum verriebenen Surfer in Badeshorts ist alles vertreten.
Zwei Tage haben wir Zeit, einen Eindruck von dieser Stadt zu gewinnen.  


the monkeys
Mit unserem bisherigen Reisetempo stehen wir also vor einer riesigen Herausforderung. In einer Großstadt mit 100tausenden Attraktionen, ohne Reiseführer, ohne Vorbereitung und dann noch mit zwei Kindern, fast ein unlösbares Problem. Oh ja - das ist es wovon wir träumen – Probleme lösen;-) Rein in die U-Bahn, da gibt’s schon mal Menschen in allen Farben, Größen und in den unterschiedlichsten Verkleidungen zu sehen. Raus aus der U-Bahn und weiter geht’s mit Straßenmusikanten, Obdachlosen die in Mülleimern nach Essen suchen, eine Schlange an Touristen die für 6 Dollar 3 Minuten Bimmelbahn fahren wollen und rundherum nur Stadt. Vom Dschungel in Costa Rica in den Dschungel San Francisco´s. Das macht schon gleich mal kräftig hungrig – also geht’s auf eine kulinarische Burgerverkostung beim König der Burger. Wow – Glutamat kann schon was;-) 
Golden Gate Bridge
Golden Gate Bridge










Sightseeingbus
Sightseeingbus
Oben ohne in den USA – geht das? Wir kaufen uns gleich ein Ticket, um zwei Tage in San Francisco oben ohne herumfahren zu dürfen. Tharis und Leela lieben den Doppeldeckerbus ohne Dach, der die komplette Sightseeingtour abdeckt. Highlight Nummer 1 ist nicht die Golden Gate Bridge sondern die Ohrstöpsel im Bus. Sogar Deutsch ist in der Sprachauswahl verfügbar und Tharis verliebt sich gleich in die Frauenstimme. Die Sehenswürdigkeiten werden dabei nebensächlich. 
Chinatown
In einem Park in der nähe der Golden Gate Bridge ist die Hölle los. Von Einheimischen erfahren wir dann, dass es angeblich der schönste Tag dieses Sommers ist und somit alle ihr Wohnzimmer verlassen, um noch einmal Vitamin D in der natürlichsten Form zu sich zu nehmen. Das Platzerl ist ja auch perfekt dazu geeignet – Blick auf die wohl berühmteste Brücke der Welt, die Gefängnisinsel Alcatraz und dann noch die Stadt, deren hügelige Topografie wohl den Charme dieser klein wirkenden Großstadt ausmacht. Nach einer kurzen Pause in diesem Park setzen wir uns wieder in den Bus, um unsere Tour fort zu setzen. Als wir wieder bei unserem Ausgangspunkt sind, ist es schon wieder Zeit zum Essen – diesmal thailändisch und dann wieder ab in die U-Bahn und ins Bett.
Seelöwe am Pier 37
Die Strategie für Tag zwei schaut wie folgt aus: Drei Highlights aus der Sightseeingtour wählen und ein bisschen genauer hinschauen. Nach einer ausgedehnten Runde durch Chinatown bleibt jedoch nicht mehr viel Zeit. Schnell noch zum Pier 37 um die Seelöwen zu beobachten (das haben wir den Kindern versprochen) und dann schon wieder ab in die U-Bahn. Wir sind nämlich zum Essen verabredet, mit einer Kindheitsfreundin von Christine die derzeit in San Francisco lebt.Es gäbe hier schon noch ein paar Sachen, um Zeit zu investieren und Christine ist überzeugt – sie kommt zurück, dann aber ohne, oder zumindest mit älteren Kinder und ohne einen Stadtpanausen Namen´s Enzo;-)

Samstag, 29. Oktober 2011

Hinter uns die Welle


Ich sehe was...
Den Regen hinter uns zu lassen, das war unser Plan. Naja, unsere Pläne kennt ihr ja mittlerweile;-) Keep smiling und mach das Beste aus einem Tag mit strömenden Regen. In unserem Hostel ist es ja sehr gemütlich. Das ist auch eines der wichtigsten Kriterien für die Auswahl unserer Unterkünfte, dass man auch bei Regen nicht nach einer Stunde einen Lagerkoller bekommt. Schon nach kurzer Zeit hat sich – wie von selbst – eine Gruppe formiert. Sandro und Alin aus der Schweiz, Collin aus Kanada, Raymund und Wes aus den USA, Lizzie aus Australien und natürlich wir, die wir nur noch als „the family“ bezeichnet werden. Collin, unser Verhandlungsgenie, checkt gleich mal eine Führung durch den Nationalpark für den nächsten Tag zum Super-Gruppen-Nebensaison-Vorteilspreis. Zuerst waren wir ja etwas skeptisch bei unserem Guide, der gleich mal erzählt, dass er der einzige sei, der schon als kleiner Junge in diesem Park gelebt hat. 
Manuel Antonio Nationalparkstrand
Letztendlich hat es sich aber wirklich ausgezahlt. Viele kleine aber auch größere Tierchen hätten wir ganz sicher nicht entdeckt und der Blick durch das Teleskop macht aus einer Mücke oft einen Leguan. Nach der Tour haben wir noch die Möglichkeit, an dem malerischen Strand mitten im Nationalpark bei relativ ruhigem Wasser schwimmen zu gehen.
Doch Vorsicht – die Diebe sind unterwegs und lassen sich nur durch sehr aktive Abwehraktionen davon abhalten, unser Futter aus den Rucksäcken zu stehlen. 
The big family
Solch freche Nasenbären aber auch… Am Ende gehen wir dann noch einmal baden – eher unfreiwillig, aber schon gewohnt. Ein Platzregen sorgt dafür, dass nicht nur unsere Badeklamotten nass werden. Genau dieser Platzregen läutet die nächste Regenphase ein, die wieder ein paar Tage anhalten wird.



Manuel Antonio Strand
Wir sind schon ganz darauf eingestellt, die letzten Tage bis zu unserem Abflug im Hostel abzusitzen. Doch dann kommt die Idee auf, surfen zu gehen. Die Motivation von unserer Seite hält sich in Grenzen. Bei dem Wetter? Brrrrr. Das Argument, dass man beim Surfen sowieso nass wird, ist allerdings schlagkräftig, und wir gehen das „Risiko“ ein. Zu dem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass genau diese Entscheidung die gesamte Stimmung in der Gruppe verändert. Es scheint, als wäre das Surffieber ausgebrochen. Whow – was Gruppendynamik so alles kann.

Christine on board
Enzo´s erste Fan´s
Surfen: die Idee klingt ganz einfach. Rauspaddeln, auf die richtige Welle warten, lospaddeln um die Welle zu erwischen, aufstehen und…… Es scheitert allerdings schon bei Punkt 1 und zwingt uns dazu einen Punkt 0 einzuführen: Gewöhnen an das Gerät. Beim Versuch rauszupaddeln verlieren wir immer wieder das Gleichgewicht, kippen um, werden von heranrollenden Wellen durchgespült – das es regnet haben wir schon vergessen;-). Außer uns ist niemand im Wasser. Weder SchwimmerInnen noch andere SurferInnen lassen sich bei dem Wetter blicken. Die Wellen jedoch, die sind da, und gehören nur uns allein. Nachdem wir sie genauestens von allen Seiten, vor allem aber von unten inspizierten, gibt es auch bald die ersten Erfolgserlebnisse. 
7 Erw., 2 Kinder, 5 Surfboards - 1 Auto
Es ist schon ein cooles Gefühl, wenn man so draußen am Meer am Surfbrett sitzt, hinter sich eine Welle entdeckt die genau passen zu scheint, und drauf lospaddelt. Ein paar kräftige Schläge mit den Armen, ein Kontrollblick nach hinten – ja die Welle ist noch da und hat sich gerade richtig aufgebaut – und man spürt plötzlich wie einem die Welle mitnimmt.



Enzo - on the wave
Wenn es dann noch gelingt aufzustehen und Richtung Strand zu cruisen…Yeaahhhhh. Und schon ist man infiziert mit dem Surffieber – Inkubationszeit 1 – 3 Stunden. Nach dem Morgensurf liefern sich Sandro und ich regelmäßig ein Wettessen mit Pancakes. Irgendwie muß man ja schließlich wieder zu Energie kommen. Tharis und Leela fühlen sich auch wie im Paradies – sooo viele Ansprechpersonen  und einige davon sprechen sogar deutsch – mit den anderen sprechen sie Hand und Fuß Englisch, klappt aber bestens.


Leela´s erste Surfversuche
Tharis erster Wellenritt
Natürlich ist das auch für uns sehr entspannend. Es ist als wären wir eine große Familie, die Kinder können überall herumlaufen und wir brauchen uns nicht jede Sekunde zu sorgen. Auch das Abendessen findet ab jetzt im Großfamilienstil statt. Einer/Eine ist immer fürs kochen zuständig und somit gibt es jeden Abend abwechslungsreiches Essen – vom Gulasch bis zum Stir-fried-fish with rice ist alles dabei. Plötzlich verfliegen die Tage und  es heißt für uns Abschied nehmen. Irgendwie schade, aber gleichzeitig schön, einen Ort, ein Land mit so einem positivem Gefühl zu verlassen.
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Als wir in San Jose ankommen, von wo wir am nächsten Morgen unseren Flug nach San Francisco haben, erfahren wir, was wir in der letzten Woche nicht mitbekommen haben. Durch die starken Regenfälle sind zahlreiche Flüsse und Bäche über die Ufer getreten. Einige Leute sind bereits durch die Fluten umgekommen, ca. 70 Straßen südlich von San Jose sind unpassierbar und ein weiterer Sturm kommt von der Karibik und bringt zumindest für eine Woche starke Regenschauer und Winde. Da waren wir also mit den Regenfällen in Manuel Antonio wieder mal vom Glück verfolgt? Wer hätte sich das gedacht. Im Hostel in San Jose treffen wir viele Bekannte Gesichter, die wir auf dieser Reise schon einmal getroffen haben. Viele versuchen, ihre Flüge umzubuchen und das Land zu verlassen, um der intensivsten Regenzeit seit 20 Jahren zu entfliehen. Wir hingegen fliegen mit einem Lächeln im Gesicht. Im Vordergrund unserer Gedanken und Erinnerungen steht die letzte Woche mit Surfen und neu gewonnenen Freunden und natürlich der Dschungel in all seiner Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Muchas Gracias

Montag, 17. Oktober 2011

Berg- und Talfahrt


Unterwegs
Starten wir also wieder – weiter auf der Suche nach neuen Erlebnissen. Bergauf und – ab mit dem Bus über die Rumpelpiste zur Fähre. Die Fahrt nach Puntarenas war für uns gerade seeehr entspannend. Wir haben in unserer vorigen Unterkunft Andrea, Elisa und Ina kennen gelernt, und die begleiten uns jetzt noch ein Stück. Die Kinder klammern sich so sehr an unsere neue Bekanntschaft, dass wir sie gar nicht mehr spüren. Die nächste Berg- und Talfahrt gibt’s dann in Puntarenas selbst, wo jemand im engen Bus ganz frech versucht mein Handgepäck zu öffnen, um an Wertgegenstände zu kommen. Zum Glück hab ich es noch rechtzeitig bemerkt – Andrea hatte da weniger Glück. Wie wir später erfahren, wurden ihr Kamera und Geldbörse gestohlen. Von dieser „Talfahrt“ geht’s dann gleich wieder zur Bergfahrt in die Nebelwälder von Monteverde und Santa Elena. Die Fahrt dorthin ist atemberaubend und gespickt mit schönen Aussichten über mit dichtem Dschungel bewachsene Berge und Hügel. Aus welchem Grund auch immer fährt mein Magen Achterbahn und ich kann den Busfahrer mit ein paar wenigen Brocken spanisch verständlich machen, dass es wirklich seeehr notwendig ist, an der nächsten Toilette zu halten. Die Rettung kam in letzter Sekunde – dann konnten wir die Bergfahrt fortsetzen ;-)
In Santa Elena werden wir von einem Begrüßungskomitee an Hotelschleppern empfangen. Im Hintergrund erspähen wir Peloncito, der uns bereits in San Jose einmal über den Weg gelaufen ist. Eine gute Gelegenheit der Gruppe von Keilern zu entwischen ;-)
Farn in Baumgröße
Nebelwald - Santa Elena
Das erste was wir im Hostel machen, ist unsere langen Klamotten auspacken, die wir zum ersten Mal in Costa Rica benötigen. Hier in den Bergen wird es in der Nacht doch tatsächlich frisch. Es scheint, als wären wir hier in der touristischen Hochburg von Costa Rica angelangt. Möchte man nicht auf der Straße spazieren gehen, sondern im Wald, wird man gleich mal kräftig zur Kasse gebeten. Der günstigste Spaziergang außerhalb des Nationalparks kostet somit 12$ / Person. 3,5 km spazieren im Urwald mit ein paar Hängebrücken gibt es schon ab $ 25 / Person. Wir sind wieder mal auf der glücklichen Seite gelandet und befinden uns gerade über den Baumkronen auf einer Hängebrücke, als eine Gruppe von Brüllaffen an uns vorbei zieht. 
Krönung über den Baumkronen
Wurzelmädchen 
Nach ein paar entspannten Tagen in diesem Bergort, wo wir erneut unsere Reisebekanntschaften aus Montezuma getroffen haben, geht’s wieder bergab. Für die nächsten 35 km nach Tilaran brauchen wir mit dem Bus knappe drei Stunden. Ich sag gleich dazu – Stau gab es keinen. Es ist hier so Usus, dass man direkt vor dem eigenen Haus auf den Bus wartet und ihn dann einfach herunter stoppt. Da kommt es dann schon mal vor, dass innerhalb von 100 Metern drei mal angehalten wird. Der wahre Grund für die lange Fahrzeit liegt aber am Zustand der Straße. Dennoch war es eine wunderschöne Fahrt durch herrliche Landschaft und kleine Kaffeeplantagen.
Schau mir in die Augen
Queen of the jungle
Unser nächstes Ziel liegt in Bijagua. Hier wollen wir eine weitere Reisebekanntschaft, Lizzie aus Australien, besuchen. Sie unterrichtet in diesem kleinen Ort für ein paar Wochen Englisch in einer Schule. Bijagua ist alles andere als touristisch. Wenn man hier durch die Straßen geht, wird man von vielen Augen verfolgt. Es ist hier wohl niemanden entgangen, dass sich außer der Australierin jetzt auch noch eine Familie mit zwei Kindern in diesem Ort herum treibt. Bijagua liegt genau zwischen zwei Vulkanen, auf die jedoch kein Wanderweg führt. Also keine Chance, durch den dichten Dschungel einfach so los zu wandern. Unsere einzige Option ist wieder mal ein 2 km Weg durch den Dschungel für den wir einen Spezialpreis von nur 12 $ / Person bekommen (Normalpreis 17 $). So, und dann setzt jetzt auch noch die Regenzeit ein, die ja eigentlich schon seit September hier sein sollte. Jetzt gibt es wirklich nur noch kurze Unterbrechungen zwischen den Regenphasen.
Schulfest
Natürlich nutzen wir unseren Kontakt, um mal einen Blick in eine Costa Ricanische Schule zu werfen. Tharis und Leela sind ganz aufgeregt, weil sie nun auch mal in der Schule an einem Unterricht teilnehmen dürfen. Eigentlich geht es ziemlich chaotisch zu und von Handyverbot in den Klassenzimmern hat hier noch niemand etwas gehört. Am nächsten Tag gibt es eine große Schulfeier. Zu feiern gibt es die Zusammenkunft der Kulturen (encuentro de culturas), und wir werden im Rahmen dessen gleich eingeladen, ein bisschen was über Österreich zu erzählen. Für Tharis und Leela war es ein Paradies. Sie haben zwar eine Weile gebraucht um sich zu trauen mit zu machen, dann war es aber ein Riesenspaß. Die Beiden wurden ständig von anderen Kindern umzingelt, angegriffen, gestreichelt und wurden mit Süßigkeiten überhäuft. Leela – unsere schüchterne in der Familie – ist sogar mit den vielen Berührungen klar gekommen. Irgendwann sagte sie dann zu uns: „die Kinder haben sie ganz lieb angegriffen“. Zum Abschied gab es dann viele Umarmungen und Bussis. So viel Nähe wäre wohl in einer Schule in Österreich nicht gern gesehen.
Tharis und Leela in der Schule
Mit dem Abschied in der Schule denken wir auch über einen Abschied aus Costa Rica nach. Es sind mehrere Aspekte die uns dazu bewegen. Die Regenzeit setzt voll ein, die Strände sind mit den hohen Wellen und gefährlichen Strömungen nicht unbedingt für Kinder geeignet und kulturell haben wir uns ganz ehrlich gesagt ein bisschen mehr erwartet. Wir müssen uns auch eingestehen, dass es ohne Kinder in diesem Land wohl mehr Möglichkeiten gäbe, um eine Reise zu einem großen Abenteuer werden zu lassen. Aber heeey – wir sind tatsächlich schon ein volles Monat hier. Alle möglichen Szenarien werden jetzt von uns durchgespielt. Vielleicht ein Abstecher auf eine der Karibikinseln, vielleicht nach Mexico oder doch ganz was anderes. Einen Flug nach Kuba im Internet zu finden ist unmöglich. US-Restrictions verhindern das ganz erfolgreich – Asoisdes. Letztendlich haben wir uns entschlossen, unseren ursprünglichen Flug aus Costa Rica vor zu verlegen. Klingt wieder mal einfach – war es auch. Aber erst, als wir die richtige Person an die Leitung bekommen haben, und das hat uns mehr als einen Tag gekostet. Gleichzeitig planen wir auch unsere nächsten Aktivitäten in Zentralamerika und nach langem Hin und Her beschließen wir doch noch einen Abstecher nach Nicaragua zu machen.
05:00 am: Umbuchung per Skype unseres Fluges nach San Francisco und nach drei weiteren Tagen nach Hawaii. Wir bekommen einen Flug der schon in einer Woche geht. 07:00 am: Frühstück; 08:00 am: An der Bushaltestelle nach Nicaragua; Kurz kommt ein anderer Ort in Costa Rica zur Sprache. Als wir gerade im Rucksack kramen um unseren Reiseführer heraus zu holen, fährt der Bus der uns Richtung Nicaragua bringen soll vorbei. Gut – das war’s dann mit Nicaragua. 08:15 am: wir sitzen im Bus nach Jaco (Costa Rica); 14:30 pm: Ankunft in Jaco. Hier gefällt es uns aber nicht, also warten wir auf den nächsten Bus der uns weiter nach Manuel Antonio (Costa Rica) bringt. 18:45 pm: endlich im Backpackers, schnell noch was zum Essen kochen und dann mit den Kindern ins Bett. Huuuu – was für ein Tag.
Den ganzen Tag hat es sehr stark geregnet, Erde von kleineren Hangrutschen findet sich immer wieder auf der Straße; die Flüsse sind rotbraun gefärbt und treten teilweise über die Ufer: wir sind bestärkt in unserer Entscheidung die Regenzeit zu überspringen und früher weiter zu ziehen. Bleibt nur noch zu hoffen, dass unsere Glückssträhne noch eine Weile anhält und wir noch ein paar Aktivitäten in Costa Rica trocken erleben dürfen.

Dienstag, 4. Oktober 2011

Und täglich grüßt der Nasenbär


chillen
Wenn einer eine Reise tut…..dann hat man nicht nur viel zu erzählen, sondern man wird auch um soooo viel gescheiter. Demnach müssten wir am Ende unserer Reise alle unsere Erzählungen, Geschichten und Berichte (natürlich alle frei erfunden) neu schreiben. Machen wir aber nicht – wir nennen sie dann einfach „Kinderaufsätze – the early years“.  Nur soviel noch zu den Krummen Bananen: Wenn man eine Krümmung sehen will, dann sieht man sie auch. Dann kann eine leichte Abweichung auch gleich einmal rund erscheinen. Die Bustickets von Panamá zurück nach San Jose, die wir bei der Einreise nach Panamá kaufen mussten, waren gültig und der Bus relativ komfortabel.
Mails checken
Da sind wir also wieder in unserem Basislager – Tranquilo Backpackers in San Jose. Als wir am Eingangstor klingelten wurden wir – bzw. eher unsere Kinder – freudestrahlend begrüßt. Nach rund 9 Stunden Reisezeit ist man dann wieder ganz froh, wenn man sich in die Hängematte legen kann, mit der Gewissheit dass man die Kinder auch mal ein paar Sekunden aus den Augen lassen kann. Schon eigenartig irgendwie – es fühlte sich ein bisschen an wie nach Hause zu kommen und nachdem wir erstens total müde von der Boot-Taxi-Bus-zufuß-Taxifahrt waren und zweitens keine Lust mehr auf Entscheidungen hatten, haben wir beschlossen nicht gleich am nächsten Tag weiter zu fahren. Hm – wenn man´s genau nimmt, ist das auch eine Entscheidung. Wie es in Backpackers so ist, lernen wir wieder jede Menge Leute kennen, mit denen wir unsere Erlebnisse und Erfahrungen austauschen können. Einmal werden wir mit „Sie“ angesprochen. Autsch – das schmerzt. Entweder wir wirken zu schnöselig oder ganz einfach nur alt. Oder sind es „die Anderen“ die schnöselig sind und vergessen haben, dass es auch ungezwungener geht. Nur nicht zu philosophisch werden und lieber einen Tag der Physik widmen. 
Museo de los Ninos
Im Museo del los Ninos (Kindermuseum) ist diese kindergerecht (also auch für uns verständlich – wäre es nicht in spanisch) aufbereitet. Unser Favorit – die Rüttelplatte die ein Erdbeben simuliert;-) und vieles mehr.
Am nächsten Tag geht’s dann aber wirklich weiter. Wer uns kennt, weiß auch wohin. Wir wissen es nämlich noch nicht. Das liegt an unserer Faulheit Entscheidungen zu treffen. Es ist auch noch nicht nötig – die Richtung ist definiert. Erst mal ins Taxi, dann in den Bus nach Puntarenas, wieder in ein Taxi zum Fährhafen, mit der Fähre auf die Halbinsel Nicoya und wieder rein in den Bus. So schön langsam sollten wir uns jetzt aber doch festlegen. In unserem veralteten Reiseführer lesen wir über eine schöne Bucht mit ein paar Unterkünften und ruhigem Meer zum Schwimmen – perfekt für Familien. 
warten auf den nächsten Bus
Also springen wir – trotz großer Verwunderung des Busfahrers und all den anderen InsassInnen – aus dem Bus. Schon nach kurzer Zeit stellen wir fest, dass die einzige verbleibende Unterkunft in diesem Ort nicht so ganz unserer Preisklasse entspricht. 
Blumenmädche
Was bleibt uns also anderes über, als wieder raus auf die Straße zu gehen und 3 Stunden auf den nächsten Bus zu warten. Unser Ziel heißt jetzt also doch Montezuma, was nicht bedeutet, dass wir wissen wo wir schlafen. 
Es wird also gerade dunkel und es regnet.
Kapuzineraffe
Christine wartet mit Tharis und Leela an der Bushaltestelle unter einem Dach, während ich ein Hostel nach dem anderen abklappere. Viele haben nur kleine Doppelzimmer, andere nichts mehr frei und da gibt es noch jene, die wir nicht wollen. Letztendlich finden wir dann doch noch eine Bleibe – ein riesiges Zimmer mit eigener Küche und Bad und noch weiteren Schnick-Schnack den wir eigentlich gar nicht brauchen. Nachdem wir hier eingezogen sind bemerken wir, dass das Badezimmer in dem Zustand ist, wie es der/die VorbewohnerIn hinterlassen hat – das Klo miteingeschlossen. Hm – also noch einmal zur Rezeption, die uns auch gleich ein neues Zimmer gibt. 
Hotel- Dschungelaufgang
Nach all diesen Erlebnissen in diesem so hoch gepriesenen Montezuma, sind wir fest entschlossen, dass wir auch hier nicht lange bleiben werden. Schon am nächsten morgen schaun wir uns noch einmal im Ort um andere Unterkünfte um  und werden fündig. Wow – mitten im Dschungel, super gemütlich, viel Platz für Kinder und… Es ist unglaublich wie sich plötzlich das ganze Ortsbild ändert. Es ist, als hätte jemand einen Schalter umgelegt und den Relax-Modus gestartet. Das Dschungelfeeling wird noch potenziert, als plötzlich ein Nasenbär auf der Veranda auftaucht. 
Nasenbär
Die Nase nach oben gerichtet und ganz wild schnüffelnd. Ihr hättet mal uns sehn müssen, wie aufgeregt wir nach dem Fotoapparat gesucht haben. Mindestens 30 mal haben wir den Auslöser gedrückt um sicher zu gehen, dieses einmalige Erlebnis festzuhalten. Ganz so einmalig war es dann doch nicht. Alle paar Stunden kommt das Schnüffeltier bei uns vorbei, als ob es nach dem Rechten schauen wollte. Nach ein paar Tagen haben wir uns schon an unseren täglichen Besucher gewöhnt (oder er sich an uns?). Außer dem Nasenbären kommt noch jeden Abend ein Stinktier zu besuch, welches sich am Katzenfutter bedient.
Montezuma
Vielleicht wollt ihr das aber alles gar nicht lesen und stattdessen Bilder mit weißen Sandstränden und Kokosnusspalmen mit türkisblauem Wasser sehn, wo gelegentlich  eine Wasserschildkröte vor der Cocktailbar vorbeigekrochen kommt. Solche Bilder findet ihr im Internet in fast jeder Suchmaschine. Hier sind die Wellen sehr hoch, die Strömungen nicht ganz ungefährlich und das Wasser durch den Regen getrübt. Also nicht unbedingt die besten Voraussetzungen um mit Kindern plantschen zu gehen. Die einzige Wasserschildkröte die wir sehen ist am Strand verendet und die Geier kümmern sich darum, dass außer dem Panzer nichts übrig bleibt. Das mag jetzt vielleicht nach einem verhauten Aufenthalt klingen, ist es aber nicht. Wir gehen ganz gern zum Strand, entdecken auf dem Weg dorthin Kapuzineraffen in den Bäumen, Leguane, die sich an den steilen Hängen sonnen, sogar ein Baselisk lässt sich entdecken. Die Leute im Ort scheinen im Moment selbst auf Urlaubsmodus geschalten zu haben. Der Oktober ist hier komplette Nebensaison. Die paar Touristen die hier sind, scheinen niemanden zu beeindrucken, was sich sehr angenehm anfühlt.
Weg zum Wasserfall
Heute sind wir zu einem Wasserfall gewandert. Das war ein richtiges Abenteuer. Wieder sind wir einer Gruppe von Kapuzineraffen begegnet. Doch das Schwimmen im Pool unter dem Wasserfall mussten wir uns erst verdienen. 
Baden im Wasserfall
Teilweise mussten wir durch schultertiefes Wasser waten, welches von der ausgewaschenen Erde rötlich-braun gefärbt war. Unter dem großen Wasserfall war es dann aber doch ein bisschen zu wild. Versuche unter den Wasserfall hinein zu schwimmen, blieben nur bei Versuchen. Die Strömung war zu stark für uns und als wir ganz nahe waren, hat man durch den dichten Wasserstaub das Gefühl keine Luft zu bekommen.  Daneben gab es aber noch einen sehr kleinen Wasserfall, wo das glasklare Wasser über einen geneigten Felsen rinnt, um sich in einem Becken darunter zu sammeln. Der perfekte Spielplatz für Tharis und Leela.
PS: schöne Grüße vom Nasenbären.