Freitag, 15. Juli 2011

Grüße aus dem Yukon

 Sodala – der Highway ist wieder frei. Leider ist da gestern ein Mensch gestorben, weshalb wir die Sperre abwarten mussten. 
Emerald Lake
Sanddünen bei Carcross
Diese 70 km zwischen Carcross und Whitehorse habens wirklich in sich. Die Landschaft scheint alle ihre Trümphe auszuspielen. Zuerst die unwirklich scheinenden Sanddünen völlig überraschend am Weg, dann der Emerald Lake wo man einfach nur da steht und sich wundert ob am Zufluss eine Färberei ihre Abwässer nicht unter Kontrolle hat, bis wir dann am Kookatsoon Lake den Rest unseres Tages mit baden, Spielplatz, Sandburgbauen und Brot backen verbringen. Die Besonderheit vom Kookatsoon Lake ist, dass er so seicht ist, dass er im Winter bis zum Grund gefriert. Tharis hatte ihren Spaß dran, wie die „großen“ Kinder weit in den See raus zu stapfen und nach Blutegeln zu suchen – ja, dass machen halt die Yukon-Kinder, wenn ihnen fad ist.
In der Nacht (naja – es ist ja noch taghell) fahren wir die wenigen Kilometer weiter nach Whitehorse, wo wir geplant haben, beim Walmart (ein Supermarkt)-Parkplatz zu bleiben. Walmart bietet Campern die Möglichkeit, kostenlos am Parkplatz zu übernachten. Das ging sich gerade noch aus. Der Parkplatz war gerammelt voll mit Wohnmobilen. Eine Stadt bietet immer die Gelegenheit, mal wieder „Sachen“ zu erledigen. Ihr wisst schon…„Sachen“ eben;-) Tanken, Wasser auffüllen, Lebensmittelvorräte wieder auffüllen, die Wäsche und die Kinder waschen und einen ganzen verdammten Tag den netten Vereinigten Staaten, besser gesagt dem Esta-Einreise-Formular zu widmen. Aus irgendeinem Grund galten wir im Onlineformular als nicht einreiseberechtigt – wir fingen schon aneinander zu zweifeln an – vielleicht kannten wir die gegenseitige dunkle Vergangenheit doch nicht ausreichend. Irgendwann fanden wir heraus dass es daran lag dass wir per Straße und nicht über einen Flughafen einreisen wollten. Als wir dann „per Flugzeug“ anklickten gings plötzlich.
Dann wurden uns anstatt den 14 Euro / Person noch zusätzliche 100 Euro Spesen fürs bezahlen mit Kreditkarte vorgeschrieben. Egal, wir sind ja in der Hauptstadt des Yukon Territories (auch wenn es nur die Größe von Spittal an der Drau hat) wo es auch Regierungsgebäude gibt. Dort bekommen wir die Auskunft dass wir an der Grenze eine Green Card bekommen. Von Esta haben die noch nie was gehört. Take the Risk – was kann schon anderes passieren als dass wir im schönen Yukon bleiben müssen.
An einem Staudamm in Whitehorse gibt’s da noch eine „Fischleiter“ – eine Möglichkeit für die Lachse den Staudamm zu überwinden, für die Statistiker Männchen und Weibchen zu zählen (die Lachse sind gemeint) und für die Touristen, diese durch ein Glasfenster unter Wasser zu beobachten. Wir sind leider zu früh dran. Die ersten Lachse am Yukon River haben soeben erst die Grenze zwischen Alaska und Yukon passiert – auch ohne Esta Formular;-).
Zwar sind noch keine Lachse hier, aber jede Menge Natives, die sich zum „Adäka“ (zomkumen auf kärtnerisch) treffen und ihre Handkunstwerke und traditionellen Tänze präsentieren. Der Tharis wars leider ein bisschen zu laut – naja Indianer halt. Mit ihren Masken, Tänzen, Trommeln und lauten „heihooheihoo“-Gesängen können sie auf kleine Kinder schon furchteinflösend wirken.
Nach der 3. Nacht bei Onkel Walmart machen wir uns wieder auf den Weg. Die Landschaft hier verwandelt sich immer mehr in das Bild, was wir von Kanada im Kopf haben. Die Bäume werden immer niedriger und dünner und somit wird auch das weite weite weite Land sichtbarer. Jetzt sehen wir nicht nur mehr auf der Landkarte, dass es hier neben dem Highway nichts mehr außer Wildnis gibt.
Anmerkung für Mario und Petra aus Smithers: „Haines Junction ist echt nett. Wir können gut verstehen, dass dieser Ort in eurer engeren Auswahl war. Es gibt ein Kaffeehaus mit echtem Espresso und die Umgebung ist einfach genial.“
Nachtplatz am Kluane Lake
So – jetzt beginnen sich die Ereignisse zu überpurzeln. Nein, eigentlich ist es die Landschaft, wegen der wir nach jeder Kurve unser Unterkiefer wieder einrenken müssen.  Der absolute Höhepunkt sollte dann unser Übernachtungsplatz am Kluane Lake sein (einfach nur eine Ausbuchtung neben dem Highway (siehe Foto). Falsch – wieder war es nicht der Höhepunkt, denn eine 6 Stunden Wanderung (mit den Kindern natürlich, sonst hätten wirs in 5,5 h geschafft) in den Elias Mountains erlaubt uns noch ein paar tiefere Eindrücke. 
Seit dem Film Mt. Saint Elias haben diese Berge ja wohl an Bekanntheitsgrad gewonnen.  Ein Talboden (Gletscherausläufer) hat hier eben mal 25 km bevor dann die Berge empor ragen, trotzdem hat man das Gefühl man könnte einfach ein bisschen reinspazieren und dann zum Mittagessen wieder zurück sein. 
Wanderung in den Elias Mountains
Jede Relation geht verloren – zum Glück gibt’s Karten, wo einem ganz schnell klar wird, wie klein wir wirklich sind. Abgesehen davon, sind wir das Mittagessen für die Moskitos (die hier ausgesprochen frech sind). Auf unserer weiteren Fahrt Richtung Beaver Creek gibt’s noch einige Male solche Erlebnisse. Flüsse bzw. Flußbette in unglaublichen Dimensionen – alles „blattleben“ und dahinter, nach ca. 80 km türmen sich dann die 5000er (nicht Feet sondern Metern) auf.
Die Einreise nach Alaska ist relativ einfach. Kinder aufwecken, rein ins Office, Green Card ausfüllen, Fingerabdrucke abgeben, ein Zuckerl für die Kinder abschnorren, 6 Dollar pro Kopf  und das wars – und das ganze mit wirklich super freundlichen Zollbeamten.
Und da sind wir jetzt – in Alaska – doch mehr erfahrt ihr in unserer nächsten Geschichte.

Freitag, 8. Juli 2011

Licht aus! - geht nicht

 

Na dann also los – bis ganz hinauf in den Norden Alaskas wollen wir – zur Prudhue Bay. Dazwischen liegen aber noch so einige Stopps die hoffentlich voll mit Stories sind;-)  Schnell noch Volltanken und dann verlassen wir Smithers in Richtung Whitehorse (1268 km entfernt). Nach ca. 1 Stunde kommen wir zu einer Abzweigung „Direction Alaska Highway“ mit einem Hinweis wie viele km es zur nächsten Tankstelle sind. Entlang dieser Strecke gibt’s nämlich sonst nicht viel außer Seen, Wälder, Flüsse, Bären, Elche, und mindestens 9.000.000.003.768.001.097.341 Moskitos. Bei unserem ersten Stopp am Bonus Lake (wildromantisch und kitschig) flüchten wir nach einem kurzen Spaziergang vor den ständigen Fluggeschwaderangriffen. Im Bus sind wir ja schließlich sicher – unser Rupert hat tolle Moskitonetze;-)
Die „Ura“ - bereits angekündigt im letzten Blog – möchten wir euch jetzt natürlich vorstellen.  Keine Ahnung ob dieser Begriff wirklich in Wikipedia existiert – er kommt von unseren bayrischen Freunden und steht für die „Startsubstanz“ für echtes Sauerteigschwarzbrot. Die „Ura“ bekommt jetzt alle 12 Stunden einen Löffel Mehl und einen Schluck Wasser, bis wir nach 2 Tagen die Zutaten komplettieren und den Teig damit kneten.  Endlich haben wir einen Weg gefunden dem kanadischen Brot (wenn man es überhaupt so nennen darf) zu entgehen – wir backen selbst;-) – mal schaun was draus wird.
Konkrete Tagesetappen, Übernachtungsplätze haben wir nicht – wir fahren einfach ins blaugrüne drauf los. Innerhalb von nur einer Stunde begegnen wir jetzt gleich 3 Bären. Die Landschaft verändert sich hier auch – die Bäume werden kleiner, die Berge werden höher und die Landschaft überschaubarer. Hat man bis ca. Smithers hauptsächlich nur Wald neben der Straße gesehen, kann man jetzt erkennen dass man wirklich in der weiten Wildnis Kanadas ist. Unberührte Seen sind schon nichts mehr Außergewöhnliches mehr, so finden wir auch gleich wieder ein wildes Platzerl – unseren eigenen See für uns alleine – wo wir bis 11 Uhr abends am Lagerfeuer sitzen und es noch immer taghell ist. Irgendwie hat man gar keine Lust zum Schlafen gehen, auch wenn wir schon müde sind. Diese langen Tage sind echt faszinierend.
Die Tage laufen jetzt alle recht ähnlich ab, aufstehn, frühstücken, sich Zeit lassen, durch wunderschöne Landschaften fahren die wir schon ganz normal finden, Pausen machen, mit den Kindern spielen, nächster Schlafplatz – wie könnte es anders sein – wieder an einem superschönen See (Dease Lake)– gaaanz alleine, aber nicht lang – die Moskitos zwingen uns wieder zum Rückzug in unser mobiles Zuhause. Vor allem Tharis reagiert sehr stark. Jeder Gelsenstich verwandelt sich in eine riesige Schwellung. Als es nach einer weiteren Stunde auch im Bus voller Moskitos ist flüchten wir und hoffen, ein Platzerl mit weniger Stechtieren zu finden.  Unser Tag und auch die kurze Nacht bietet nun Platz für neue Aufgaben. Moskitos erschlagen (oder klatschen wie Tharis so lieblich sagt), mögliche Stellen finden wo sie in den Bus eindringen, zwischendurch wieder 3 Mäuse im Bus fangen uuuuuuuuund dann ist es endlich soweit – unser erstes Brot kommt in den Backofen. 
Naja a bisl angebrannt aaaaber es ist richtiges Schwarzbrot und schmeckt super. Mit dem Gasherd müssen wir noch ein bischen herumtüfteln aber das kriegen wir in den nächsten 2 Monaten auch noch hin. Verkostet wird gleich am Lagerfeuer in Gesellschaft von Kathi und Sken aus Deutschland. Mit denen verbrachten wir schon den Nachmittag am Boya Lake.
Wieder einmal haben wir es nicht geschafft den direkten Weg beizubehalten und wir machen noch einen Abstecher nach Carcross. Warum? Naja…….einfach so? Ja genau – einfach so.  Ein schwerer Autounfall ist der Grund warum nun die Straße zwischen Carcross und Whitehorse gesperrt ist. Das „zwingt“ uns dazu uns irgendwo in der Gegend ein Schlafplatzerl zu suchen um dann morgen weiter zu fahren. Woooo? Natürlich wieder mitten im Grünen sitzen wir gerade bei einem Teller Nudeln als wir alle ganz still werden, die Fenster von Rupert öffnen und dem Geheul von Wölfen lauschen.  Jetzt ist es gerade kurz vor 11 am 
Abend und die Sonne geht gerade unter – sie färbt noch einmal die Bäume in einem grellen goldgelben Schimmer – ist das der Goldrausch??? Dunkel wird es wohl erst in ca. einer Stunde. Jetzt wissen wir, wie es für die Kinder ist, wenn man schlafen gehen muss, wenn die Sonne noch scheint;-)

Donnerstag, 7. Juli 2011

Urlaub bei Freunden

Auch wenn der Titel dazu verleitet an Kärnten zu denken – wir schreiben heute von unserer Zeit in Smithers, wo wir bei unseren deutsch-kanadischen Freunden Mario und Petra wohnen. Smithers ist eine sehr gemütliche, nicht allzu große Stadt auf der Strecke von Prince George nach Prince Rupert. Hier machen wir mal Auszeit vom TrabantInnenleben, gönnen uns eine Dusche und ein paar Nächte in einem richtigen Bett unter einem nicht fahrbaren Dach – whow, ist echt fein nach 1 ½ Monaten on the Road! Wirklich fein ist auch die Gesellschaft von Mario und Petra und das denken nicht nur wir, sondern auch Tharis und Leela. Täglich rennen sie als erstes in der Früh von unserem Domizil im ersten Stock in das Erdgeschoß, um Mario und Petra noch vor der Arbeit zu sehen und beginnen  nachmittags im Viertelstundentakt zu fragen, wann denn endlich Magigo und Peta (Leela speak) von der Arbeit nach Hause kommen. Neben Wäsche waschen, Abendessen kochen und den Camper wieder mal richtig durchputzen schaffen wir auch einige Unternehmungen in die Nahe Umgebung von Smithers.

Mit Kanu, Paddel und zwei Holzsteckenangeln mit rotem Fadenwurm ausgestattet machen wir uns zu viert auf eine Paddeltour um den Lake Kathlin – diese Tour war echt entspannt, die Kinder haben richtig Spaß beim Angeln und Seerosenblätter abklatschen und wir zwei Erwachsenen genießen die Blicke, die man vom See aus auf die nahe liegende Gebirgskette und die vielen Luxusseevillen in kanadischem Stil bekommt.

Was noch?  Ein Besuch im Indianerdorf der K´San gibt uns einen Einblick in das Leben der Native´s. Immer wieder versuchen wir bei anderen Reisenden, Einheimischen usw. mehr zu erfahren. Auf Fragen während der Führung wurde sehr gut und umfangreich geantwortet. Hier halten wir es jetzt aber wie die alten Klan´s: Es wird nichts niedergeschrieben sondern nur mündlich überliefert;-)
Ein zweiter Ausflug mit dem Kanu verläuft dann recht interessant: Nachdem wir den Tyhee Lake überquert haben kommt plötzlich starker Wind auf, der Wellengang wird (für unsere Begriffe) recht heftig und wir beschließen dann an einem Privatsteg anzulegen und den gröbsten Wind abzuwarten. Nach ca. 2 Minuten kommt schon die Hausbesitzerin des Weges. Ganz nach kanadischer Manier fragt sie ob wir Hilfe brauchen und hätte uns sogar ins Auto gepackt und ans andere Ufer gebracht. Nach ca. einer halben Stunde lässt der Wind dann aber nach und wir können unseren Paddeltrip trocken zu ende führen.

Jeden Abend auf´s Neue überlegen wir uns wann wir  weiter fahren, wie lange noch bleiben – hin und her. Vom Gefühl her könnten wir wohl noch einige Zeit hier verbringen doch wir haben ja noch einiges vor. Wir haben beschlossen nördlich bis zur Predhoe Bay zu fahren – und das ist gaaanz schön weit.
Nach ca. 10 Tagen machen wir uns dann wieder auf den Weg. Von Mario und Petra bekommen wir nicht nur eine Menge Tipps für den hohen Norden und ein wertvolles Moskitonetz für Tharis’s Kopf mitgegeben, sonder auch eine neue Mitbewohnerin, die „Ura“, die alle 12 Stunden gefüttert werden muss … Fortsetzung folgt!

Sonntag, 26. Juni 2011

Es ist schon wieder was passiert...


Ja – wirklich – in der Elk-Bay, auf dem Weg zum Klo, hab ich mich mit meinen Nachbarn verratscht als plötzlich ein anderer Kollege aufs Meer zeigt wo ein Orca (Killerwal) mit seiner riesigen Rückenflosse posiert. Das war schon sehr eindrücklich. Diese Bucht sollte man von Elk-Bay auf Multi-Animal-Bay umbenennen. Zu beobachten gab`s nämlich noch Marder, Seehund, Krabben, Salamander, Adler,…. 
Irgendwann haben wir dann beschlossen doch wieder weiter zu ziehen, um wieder ein bisschen zu wandern. Also machen wir uns auf den Weg in die Berge wo wir am Forbidden Plateau unsere Runden ziehen wollen. Leider haben wir unsere Tourenschi nicht dabei. Das Plateau, das im Zentrum von Vancouver Island liegt, hat nämlich noch eine geschlossene Schneedecke die teilweise einen Meter dick ist – Zeitverschiebung hin oder her, auch hier ist es Ende Juni und das Plateau liegt auf 1300m Seehöhe. Egal – machen wir uns halt wieder auf den Weg, zurück ans Festland und ab in Richtung Norden. Da wir den ersten Teil der Strecke schon kennen, versuchen wir (auf gut Deutsch) einfach mal Kilometer zu machen und übernachten dann ganz spontan – wie kann es anders sein – an einem superschönen Platzerl direkt an einem Bach VÖLLIG alleine. 
Unsere Tierliebe beweisen wir neuerlich am Hat Creek wo wir tausende Moskitos vor dem sicheren Hungertod retten. Hat Creek ist ein historisches Road House (150 Jahre alte), eine Ranch, Hotel, Stallung aus der Goldrauschzeit. Damals gab es entlang des Gold-Rush-Trails alle 12 Meilen eine Ranch, Hotel, Unterkunft wo die Goldsüchtigen auf ihrem Weg Unterkunft und Essen bekommen konnten – für sich und die Pferde. Einige dieser Ranches sind noch heute im Ursprungszustand erhalten. Woanders wurden ganze Städte nach diesen Stationen benannt (70 Mile House, 150 Mile House,…).

Mit dem Glück mit dem wir unterwegs sind, sind wir gerade in der nähe von Ashcroft wo das alljährliche Stampede (Rodeo) stattfindet. Das war ja echt genial. Auch die Kinder haben volle 5 Stunden durchgehalten und dem Programm zugesehen. Von Bullenreiten, Kälber mit Lasso einfangen, Barrel-Race, Wildpferdereiten,…. War alles dabei.
Auch das Publikum war sehr genial – das ist einfach noch Cowboyland. Dass es das heutzutage noch gibt haben wir echt nicht gedacht. Ein bisschen modernisiert darf trotzdem werden – die Bullenreiter verwenden Rückenprotektoren und die Kinder reiten sogar mit Helmen. Ja genau – Kinder. Beim Bullenreiten findet man nämlich auch schon 14 jährige und beim Barrel Race war die jüngste Teilnehmerin gerade mal 5 Jahre alt. Was aber bei solch einem Event wirklich abgeht ist schwer zu beschreiben – jeder die Gelegenheit hat sich so etwas anzusehen sollte das nutzen. 

Auf dem Weg zu Mario und Petra machen wir noch einen 100 km Abstecher in ein „Einbahnseitental“ an dessen Ende zwei Orte liegen. Einer davon ist das historische (150 Jahre alte) Barkerville. Eine Goldgräberstadt die zu Zeiten des Goldrausches 4500 Einwohner hatte. Heute tummeln sich in dieser original erhaltenen Stadt Schauspieler, die einem das Gefühl geben, in die Zeit des Goldrausches zurückversetzt zu sein. Der Abstecher war es auf jeden Fall wert. Auch wegen der Bären und Elche die wir auf dieser Strecke aus nächster Nähe zu sehen bekamen.  Auf dem Weiterweg nach Smithers läuft uns sogar ein Bär direkt vor dem Camper über die Straße – die können ganz schön schnell laufen;-)
Ja, und da sind wir nun – in Smithers bei unseren guten Freunden wo wir uns in einem Haus wieder mal richtig kultivieren können, in einem echtem Bett schlafen und die Abende mit ratschen verbringen.

Montag, 20. Juni 2011

Zwischen den Zeilen


Warnung – dieser Blogeintrag enthält keine Fotos!

Nun lassen wir die auf Land und Leute bezogenen Berichte mal links liegen, ziehen gerade vorbei an kulturellen Erfahrungen und machen uns ein paar Gedanken über „das Reisen“.
Wir brauchen ja nicht gleich philosophisch werden – Die Bedeutung von diesem Wort findet ihr in Wikipedia, aber was heißt es nun für uns? Was waren unsere Erwartungen? Wie haben wir es bisher empfunden? Wer geht wem am meisten auf die Nerven wenn man sich 10m² Wohnfläche teilt?
Erstmal lagen wir mit unserer Grunderwartung nicht schlecht: Wir Reisen, wir sind nicht auf Urlaub. Wir leben – geplant ist fast ein Jahr lang – ein anderes Leben, mit Alltag und Gewohnheiten.

Routine – ja die gibt es.
Jeden Tag aufstehn um ca. 8 Uhr; Frühstücken bis ca. 9:30 Uhr; irgendwas unternehmen oder auch wieder weiter ziehen; Abendessen – wann immer möglich am Lagerfeuer  und dann wieder schlafen um 11. Natürlich ist das nur die Kurzversion. Zur Routine gehört auch nachsehen, ob noch genug Milch im Kühlschrank ist und, nicht zu vergessen, Heidi – deren Geschichten fast bei jeder Fahrt aus den Lautsprecherboxen ertönen (Zum Glück können wir bei Rupert die Lautsprecherboxen vorne auf lautlos stellen;-). Mittlerweile gibt’s aber auch schon Lieder wie „Pinguine können nicht fliegen“ von Helge Schneider oder einige von Alf Poier die auf der Lieblingsplaylist der Kids stehen. Wenn die Kinder abends im Bett sind (meistens erst um ca. 10) sitzen Christine und ich dann noch bei einem Bier am Lagerfeuer, spielen Rummy im Bus, schreiben wieder ein paar Zeilen, sortieren Fotos, sprechen über mögliche Reiserouten, den vergangenen Tag, das Leben oder das grässliche Brot hier in Kanada.

Unterwegs mit Kindern:
Ja – wir machen doch tatsächlich solch eine Reise mit unseren Kindern (2 und 3 Jahre alt). Es war uns schon im Vorhinein klar, dass das kein Adventure-Sport-Klettern-Bergsteigen-Kajaking-Unternehmen werden wird. Unsere Kids sind super. Die Art und Weise wie sie einen langen Flug, mehrstündige Autofahrten, kalte Temperaturen, Regen wegstecken und trotzdem noch erträglich sind, ist echt bewundernswert. Unsere Aktivitäten sind natürlich den Kindern angepasst, trotzdem machen wir auch Sachen wo unsere Kinder hart gesagt „einfach durch müssen“.  Es ist schon sehr ungewohnt wenn man plötzlich 24 Stunden am Tag als Familie zusammengespannt unterwegs ist, und es war gerade in der ersten Zeit nicht unbedingt einfach (Kinder krank, Camper suchen, usw.). Da lagen die Nerven teilweise schon ein bisschen blank. Zuhause hatten wir doch alle unsere „Privaträume“ wie Arbeit, Sport, die Kinder ihre Oma-Tage usw. Jetzt sind wir Rudeltiere – wenn sich einer  von der Gruppe entfernt, läufts nicht mehr ganz so rund (für die Kinder zumindest). Unser Rupert ist im Moment unser Zuhause – wo auch immer er steht (mal in einer Forststrasse, mal auf einem Luxuscampingplatz). Sehr oft sind wir nicht länger als eine Nacht auf einem Platz, meistens wissen wir wenn wir los fahren nicht wo wir am Abend sein bzw. schlafen werden und für die Kinder ist das alles überhaupt kein Thema. Ständig verändert sich unsere Umgebung, bei jedem Stopp muss bzw. kann die direkte Nachbarschaft neu erkundet werden. Nach nun mehr als einem Monat unterwegs bemerken wir, das sich die Grenzen unserer „kleinen“ verändern. Sie wagen sich immer weiter weg, sprechen jeden an der vorbei kommt und antworten auf quasi alles mit „Yes“;-)  Leela braucht immer ein bischen bis sie auftaut – aber sie ist ja auch erst 2.  Ja – der Radius der Kinder wird immer größer, unserer bleibt den Kindern angepasst;)  

Die Erleuchtung.
Waaaas? So mancher/manche Weitgereiste spricht oft von der Selbstfindung oder was auch immer. Wir konnten bisher noch nix in diese Richtung finden,  – wie gesagt – wir haben ja die Routine;-) Die ständige Verantwortung für unsere Kinder (haben wir schon erwähnt dass die echt super coool drauf sind?) führt dazu, dass wir mit beiden Beinen voll am Boden, im Wasser oder auch im Gatsch bleiben. Hier und da sind wir mal für eine Stunde ein Pferd, der Opa von Lieselotte oder der Willi Opa. Tharis und Leela sind dann wieder ein bischen enttäuscht wenn wir dann doch wieder in die Rollen von Mama und Papa schlüpfen. Was wir aber schon bemerkt haben ist – die Zeit vergeht. Wow – das ist auch eine Erkenntnis oder? Die Tage fangen an zu verfliegen und wir bemerken es immer nur wenn wir wieder mal das Datum auf unserer Uhr checken. Gleichzeitig ist die Zeit auch das Wertvollste an dieser Reise – Zeit haben um ein interessantes Gespräch mit kurz zuvor Unbekannten, die man nur nach dem Weg fragen wollte, schon mal zwei bis drei Stunden dauern zu lassen, ohne das Gefühl zu haben, eigentlich weiter zu müssen. Zeit für einen kleinen Umweg, der wider Erwarten zu einem großen Erlebnis wird. Wann immer wir mit anderen Reisenden oder eigentlich Urlaubern sprechen, die sich in zwei bis vier Wochen Kanada ansehen „müssen“, sind wir über die Zeit, die wir haben, besonders froh!
 „Asoisdes“ war, und ist hoffentlich auch noch lange unser treuer Reisebegleiter.

So, dass wär’s mal mit diesem etwas anderen Blogeintrag der das ganze Erlach-Abenteuer vielleicht ein bisschen ALLTÄGLICHER macht ;-)

Fragen?   Wir werden versuchen einen Blogeintrag den FAQ´s (Frequently asked questions) zu widmen.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Die Liebe zu Bäumen


Nun – die ersten paar Zeilen haben wohl nichts mit dem Titel zu tun – macht aber nix.

Der „long Beach“ hat seinen Namen nicht von irgendwoher – er ist schon beeindruckend groß, mächtig, lang, breit und vor allem menschenleer. Nicht ganz. Hier und da erspäht man ein Grüppchen schwarz gekleideter Personen mit bunt bemalten Brettern  im Wasser herumtümpeln – zwischendurch ist auch mal ein Profi dabei der tatsächlich auf der Welle das ein oder andere Kunststück vollbringt. Die Neoprenanzüge sind bei diesen Temperaturen auch wirklich notwendig – Leela hat´s ohne versucht und eine Portion Salzwasser in ihrem Gummistiefel gebunkert. Tofino selbst ist einfach eine coole Surferstadt. Leider haben wir den Capoeiraabend versäumt der hier jeden Freitag stattfindet. Dafür sind wir aber in den Wochenmarkt reingeplatzt wo wir das erste Mal in Kanada „echtes Brot“ kaufen konnten.

Jetzt aber zum Titel. Von tierliebenden Menschen habt ihr doch sicher schon gehört.  Im Cathedral Grove Rainforest fallen die Menschen nun den Bäumen um den Stamm und lassen sich dabei in allen Positionen ablichten. Naja ganz um den Stamm schafft es wohl kaum jemand – der dickste Baum hier hat rund 3 Meter Durchmesser;-) und ist rund 800 Jahre alt. Dagegen ist unser Opa mit 94 ein Lärcherlsch….
Woanders wiederum sieht man wieder Bilder, wo die Liebe zum Holz wohl andere Gründe hat und wohl keine Touristenattraktionen hinterlässt.
Bei einem ausgedehnten Spaziergang bei den Qualicum Wasserfällen gefällt es den Kindern soooo gut das Tharis für immer da bleiben möchte – nicht einmal nach Pirk möchte sie mehr zurück;-) diese Aussage fanden wir echt witzig. Nicht so witzig fanden wir dann, als wir bemerkten das beide Auspuffrohre an der gleichen Stelle abgebrochen waren – hmmmm.
Nichts an Kuriositäten bleibt an diesem Tag ausgespart. Jetzt stehen auch noch Ziegen auf dem begrünten Dach eines Restaurants. In Parkville machen wir dann einen „Notzwischenstopp“ um am nächsten Morgen unseren Rupert wieder Fit für Schotterstraßen zu machen – der Auspuff ist auch schnell und günstig wieder repariert und wir können uns wieder auf den Weg machen.

Next Stop – Elk Bay. Jetzt sind wir wirklich abgelegen. Ein wunderschönes Platzerl Erde direkt am Meer, die zahlreichen Inseln zum Greifen nahe und völlig allein. Zwar nicht lange aber es ist auch nicht schlimm wenn man so ein tolles Platzerl mit Jemanden teilt.  Bei einer netten Grillerei genießen wir die Ruhe, den Sonnenuntergang, die Einsamkeit als plötzlich ein Ungetüm an Kreuzschiff in dieser schmalen Meerespassage auftaucht. Es erscheint einem fast unwirklich und ein bisschen gruselig. Den Nächsten Tag verbringen wir dann im Streichelzoo. Die Krabben sind ja wirklich sooooo putzig. Wenn wir mal Haustiere haben……

Bis bald die Er-Lachs (die besondere Fischzucht)

Samstag, 11. Juni 2011

Vancouver Island - Die Erste


Mit der Fähre von Horseshoe Bay verlassen wir das Festland und befinden uns auf dem Weg nach Vancouver Island, voll positiver Erwartung auf diese von allen Seiten so liebevoll beschriebene Insel. Die Überfahrt verbrachten wir nicht an Deck – es regnete nämlich. Aber, das schon vorweg, es sollte der letzte Regen sein, den wir für eine Zeit sehen sollten. Anscheinend läuft es wettertechnisch für uns im Moment anders rum, Vancouver Island ist dafür bekannt, dass es immer und auch immer heftig regnet, wir erlebten bisher den schönsten Sonnenschein und nur sehr selten ein paar unwesentliche Schauer – auch nicht schlecht. 
Aber zurück zur Fähre. Am späten Nachmittag legten wir in Nanaimo an und füllten zuerst Lebensmittel, Benzin und Propan wieder auf. Das ganze dauerte so lange, dass wir die Nacht am Walmart-Parkplatz verbrachten – ein Tipp den wir von Mario und Petra bekamen: am Walmart Parkplatz kann man im Notfall immer übernachten. Am nächsten Morgen erwartete uns gleich die erste Überraschung: die Autobatterie am Camper war leer und der Camper ließ sich nicht starten (kleines Detail am Rande: es könnte daran gelegen haben, dass die Scheinwerfer am Vorabend eingeschalten blieben – es ist nicht nötig, für alle, die unsere Familie kennen zu erwähnen, welchen der beiden FahrerInnen das passiert ist ;-) Nach einer Starthilfe vom netten Walmart-Security-Guy ging es dann endlich nach Sooke, den süd-östlichsten Zipfel der Insel. Dort machten wir die ersten Begegnungen mit den Rainforests, für die Vancouver Island so bekannt sind. Anders als die tropische Variante sind die Regenwälder hier dichte, flechtenbewachsene Nadelwälder mit sehr vielen Farnen und abgestorbenen Bäumen dazwischen, richtige Zauberwälder, wie sie nun auch Tharis und Leela nennen. Und natürlich sind viele der Bäume sehr, sehr groß und mächtig.
 
Die zweite – erste Begegnung war dann die mit zwei Fischottern, die sich gemütlich am Felsen sonnten und ihre Fische verspeisten. Am Jordon River Rec. Site hatten wir wieder Sonnenschein und einen wunderbaren Blick über das Meer auf die Olympic Mountains am US-Festland. Auf Grund des wirklich schönen Wetters bisher kommen wir zu vielen Wanderungen die uns zu langen Sandstränden, idyllischen Seen und dichten dunklen Wäldern führen, wo dann doch hin und wieder die Gedanken an Bären und Cougars wieder auftauchen! Grundsätzlich erleben wir BC hier auf der Insel als sehr touristisch und nicht mehr so weit und menschenleer, wie wir es von den letzten drei Wochen eher gewohnt waren. Ab Port Renfrew kommen wir dann weg von der asphaltierten Straße und begeben uns wieder 
dorthin, wohin die meisten Mietcamper nicht dürfen, nämlich die Log-Roads, unasphaltierte Forststraßen einzig und allein angelegt, um unvorstellbare Kahlschläge mitten durch das Land zu ziehen!!! Es sieht aus wie riesige Schlachtfelder – Waldfriedhöfe - und stimmt einen schon auch ein wenig traurig. Uns geben sie die Möglichkeit in abgelegenere Gebiete zu kommen und dort finden wir auch die atemberaubendsten und einsamsten Plätze zum Übernachten, die man sich vorstellen kann – so am Lizard Lake (ein glasklarer See mit vielen Bäumen die im Wasser liegen und zahllosen Molchen)  und am Nordufer des Lake Cowichan.

Auf dem Weg Richtung Tofino lassen wir uns wieder ca. 3 Stunden lang durchschütteln. Ehrlich gesagt haben wir uns auf diesem sehr abgelegenen Stück Forststraße schöne Wildnis vorgestellt.   Die hatten wir auch – allerdings sehen nach 1 Stunde Fahrt alle Bäume gleich aus;-) Entweder dichte Wälder säumen die Straßen oder die schon erwähnten Schlachtfelder bieten einen Blick in das bewaldete Hinterland. Nun sind wir am Long Beach im Pacific Rim National Park angelangt und sind schon neugierig, den zu erkunden und dann in den nächsten Tagen in das Surferparadies rund um Tofino einzutauchen. Einen Bericht dazu gibt es dann im nächsten Eintrag ;-))